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Das Wichtigste zur Unternehmensbewertung

Das Wichtigste zur Bewertung von Mittel-, Klein- und Mikrobetrieben
beim Verkauf bzw. Erwerb.
Welche Methoden zur Bewertung eines Unternehmens gibt es und welche ist die richtige Methode der Bewertung?

Was sind Mittel-, Klein- und Mikrobetriebe?
Kleinbetriebe haben mindestens 10 und maximal 49 Mitarbeiter und einen Umsatz bzw. Bilanzsumme von EUR 2 Mio bis max. EUR 10 Mio. Mittelbetriebe haben demnach mindestens 50 Mitarbeiter und einen Umsatz bzw. Bilanzsumme von mehr als EUR 10 Mio und Mikrobetriebe haben demnach unter 10 Mitarbeiter und eine Bilanzsumme und Umsatz unter EUR 2 Mio.

Was sind die Besonderheiten bei der Bewertung von Klein- und Mikrobetrieben?
Es gibt viele Besonderheiten, welche bei der Bewertung von Klein- und Mikrobetrieben zu berücksichtigen sind.
Beispielhaft:
o Schwierige Voraussage der künftigen Ertragslage
o Laufend schwankendes Fremdkapital
o Laufend schwankender Warenvorrat
o Unterschiedlich nachhaltige Ertragskomponenten
o Gesonderte Bewertung der Immobilie
o Festsetzung der angemessenen Geschäftführervergütung
o Regelung des Know-how Transfers
o Persönliche Haftung der Gesellschafter für Bankdarlehen der Gesellschaft
o Spezielle steuerliche Begünstigungen
o Etc.

Welche Methoden zur Bewertung eines Unternehmens gibt es?
Prinzipiell unterscheidet man zwischen dem Substanzwert und dem Ertragswert eines Unternehmens oder Mischung aus beiden. Beim Substanzwert muss man zwischen dem Wert bei Liquidation oder bei Betriebsfortführung unterscheiden. Den Ertragswert ermittelt man durch Abzinsung künftiger Erträge, durch Abzinsung künftiger Cashflows oder durch Vergleich von relevanten Ertragsgrößen mit anderen Unternehmen, welche verkauft wurden.

Welche ist die richtige Methode der Bewertung?
Je nach Zielsetzung und nach Art und Größe des Unternehmens werden unterschiedliche Methoden herangezogen. Wir sprechen hier vom erzielbaren Wert kleiner oder mittlerer Unternehmen. Es ist also die Denkungsweise eines Käufers heran zu ziehen und dieser hat immer das Ziel den Kaufpreis in einer überschaubaren Zeit wieder zurück zu verdienen. Dieser Verkaufspreis ist am Markt zu erzielen und wenn die Denkweise des Verkäufers zu einem wesentlich höheren Wert führt werden die Verkaufsbemühungen nicht erfolgreich sein.

Wann kommt der Substanzwert zum Einsatz und wann der Ertragswert?
Das wichtigste an einem Unternehmen sind die künftigen Erträge. Zur Erzielung der Erträge sind üblicherweise gewisse Anlagegüter und ein Warenvorrat notwendig. Je weniger Substanz zur Erzielung der Erträge eingesetzt werden muss, desto wirtschaftlicher ist das Unternehmen. Die Unternehmen werden also im Wesentlichen nach den künftigen wirtschaftlichen Erfolgen und nicht nach der vorhandenen Substanz bewertet. Lediglich wenn der Substanzwert eines Unternehmens höher ist als der Ertragswert so wird die Substanz als Messgröße herangezogen. Dann handelt es sich aber nicht mehr um einen Unternehmensverkauf, sondern um den Verkauf einzelner Asset, wie zum Beispiel Maschinen, Immobilien oder Lagerware.
Die Höhe der Substanz spielt allerdings für die Beurteilung des Risikos und damit für die Finanzierung eine Rolle.

Warum kann ich Ertragswert und den Substanzwert nicht addieren?
Am besten erklärt sich das mit der Kuh, welche man entweder schlachten oder melken kann.
Wenn man eine Kuh kauft, kann man entweder für das Fleisch zahlen, welches man verwertet oder man bezahlt dafür, dass man laufend für die Ablieferung von Milch einen Erlös erzielt. Beim Ertragswert eines Betriebes bestimmt sich der Wert nach allen künftig zu erzielenden Erträgen auch wenn nur ein x-faches eines Jahresgewinnes als Kaufpreis herangezogen wird.

Wie errechnet sich der Ertragswert eines Unternehmens?
Wenn man davon ausgehen kann, dass der durchschnittliche Ertrag auch künftig erzielt wird, dann besteht der Ertragswert aus allen künftigen Jahresergebnissen abgezinst auf den jetzigen Zeitpunkt, also die so genannte ewige Rente. Es ist festzulegen von welchen künftigen Erträgen man ausgeht und mit welchem Zinssatz diese abgezinst werden. Der verwendete Zinssatz ist der prozentuelle Ertrag der sich aus dem Unternehmenskauf ergeben soll. Beim Zinssatz geht man von der üblichen Verzinsung für sichere Geldanlagen aus, zuzüglich einer Überrendite für riskante Anlagen unter Berücksichtigung des speziellen Risikos des zu bewertenden Unternehmens. Bei einem risikoreichen Unternehmen ergibt sich ein hoher Abzinsungsfaktor, was zu einem geringen Unternehmenswert führt, aber eine hohe Rendite erwarten lässt.

Warum nimmt man den bereinigten EBIT als Ertragsgröße?
Der EBIT (earnings before interest and taxes) ist das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern. Da die Fremdkapitalzinsen nicht berücksichtigt werden, handelt es sich um das Ergebnis eines unverschuldeten Betriebes. Wenn mit dieser Größe der Ertragswert errechnet wird, so erhält man den Wert des unverschuldeten Unternehmens. Dies ist der wahre Ertragswert des Unternehmens.

Welche Rolle spielt das Multiplikatorenverfahren?
Das Multiplikatorenverfahren wird üblicherweise als Vergleichsverfahren angewendet. Man kann als Ertragswert des Unternehmens eine bestimmte Anzahl z. B. der EBITS heranziehen, ausgerichtet an üblichen Werten der Branche oder nach entsprechenden registrierten Verkäufen in der Vergangenheit.

Kann Bewertung mit EBIT Multiplikatoren die Abzinsung ersetzen?
Die Anzahl der Multiplikatoren ist gleichbedeutend mit der Abzinsung mit einem bestimmten Zinssatz. Wenn der Unternehmenswert mit einer geringen Anzahl von Multiplikatoren angesetzt ist, bedeutet dies, dass sich der niedere Unternehmenswert aus einer hohen Abzinsung der EBITS ergibt. Der hohe Zinssatz ergibt sich aus einem hohen Risikozuschlag. Wenn Unternehmen mit einer hohen Anzahl von Multiplikatoren bewertet werden so bedeutet dies, dass ein höherer Unternehmenswert zustande kommt, weil der Risikozuschlag gering ist. Ein Abzinsungsfaktor von 20 Prozent entspricht etwa einem Multiplikator von 5, eine fünfprozentige Abzinsung führt zu einem etwa 20 fachen Multiplikator.

Welches ist der Vorteil des Multiplikatorenverfahrens?
Wenn der Multiplikator nicht wie üblich als Vergleichsgröße zu anderen Branchenunternehmen oder zu getätigten Transfers herangezogen wird, sondern als Messgröße der Rendite des speziellen Unternehmenstransfers, so ist die Risikobewertung mit Hilfe einer bestimmten Anzahl von Multiplikatoren viel besser vorstellbar als mit einem bestimmten Zinssatz. Das heißt, dass die individuellen Faktoren der Ertrags- und Risikoeinschätzung bei einem kleinen Unternehmen mit Hilfe von Multiplikatoren besser berücksichtigt werden können, als durch Ermittlung eines Abzinsungsfaktors. Nach unserer Erfahrung können Käufer und Verkäufer den Wert eines Unternehmens mit Hilfe von Multiplikatoren besser einschätzen als mit einem Kapitalisierungszinssatz. Auf Grund der vielen Unsicherheiten der vielen Größen führt eine dezimalstellengenaue Abzinsung jedenfalls am Bedarf vorbei.

Woraus ergibt sich die Anzahl der Multiplikatoren?
Das Risiko ist umso kleiner und daher die Anzahl der Multiplikatoren des EBIT umso höher,
je nachhaltiger die Erträge sind. Je größer die Wahrscheinlichkeit ist, dass die möglichst wachsenden Erträge auch nach der Betriebsübergabe erhalten bleiben, desto größer ist die Anzahl der Multiplikatoren, welche den Kaufpreis bestimmen.

Warum sind vom Ertragswert des unverschuldeten Unternehmens die verzinslichen Verbindlichkeiten in Abzug zu bringen um zum Kaufpreis zu gelangen?
Das Unternehmen besteht aus einem eigenfinanzierten Teil und einem fremdfinanzierten Teil.
Es wird zwar das gesamte Unternehmen verkauft, einen Kaufpreis erhält man jedoch nur für den eigen finanzierten Teil, der fremdfinanzierte Teil gehört ja dem Finanzier, in der Regel der Bank. Dies bedeutet, dass man entweder die Bankverbindlichkeiten im Zuge des Verkaufes abdeckt und den vollen Ertragswert erhält oder der Käufer die Bankverbindlichkeit übernimmt und nur den um die übernommenen Bankverbindlichkeiten verringerten Kaufpreis bezahlt.

Wie werden nicht betriebsnotwendige Aktiva berücksichtigt?
Alle Aktiva, welche zur Erzielung des zur Berechnung des Unternehmenswertes herangezogenen EBIT notwendig sind, sind im Kaufpreis enthalten. Sollte sich im Unternehmen darüber hinaus Vermögensteile befinden, welche nicht betriebsnotwendig sind, wie zum Beispiel Finanzanlagen, Immobilien, Teile des Warenvorrates etc so stellen diese nicht Teil des Kaufpreises dar. Diese Werte können entweder entnommen werden oder sind dem Kaufpreis hinzuzurechnen. Bei der Berechnung des Unternehmenswertes sind die nicht betriebsnotwendigen Vermögensteile zu ermitteln und dem Ertragswert hinzuzurechnen.